Guillochieren

Ich werde nach und nach meine Ausführungen über die Guillochetechnik und die Muster erweitern. Das ist ein Langzeitprojekt von mir. Wen es interessiert, einfach ab und zu mal wieder nachgucken, ob es schon etwas Neues gibt. Viel Spaß beim Lesen.

Das Guillochieren

Die Guillochiermaschine ist eine Maschine, die mit einer Handkurbel für jede einzelne Linie in Bewegung versetzt wird und Linie um Linie in das eingespannte Werkstück graviert. Sie funktioniert also halbmechanisch, ohne Strom und produziert ein Muster auf der Oberfläche. Das Muster ist bestechend präzise, hat einen latenten Hang zum Kitsch und wirkt dabei trotzdem edel und seriös. Man kann das Guilloche als Herausforderung betrachten, da es oft eine Gratwanderung ist, ob das Guilloche dem Werkstück das entscheidende Etwas gibt oder ob es mit der ganzen Ornamentierung „erstickt“ wird.

Die Arbeitsweise ist geradezu meditativ. Jede der unzähligen Linien muss mit großer Aufmerksamkeit und höchst konzentriert ausgeführt werden. Es sind immer und immer wieder die gleichen Handgriffe in einer festen Reihenfolge erforderlich. Sobald man nur eine Kleinigkeit schrittweise ändert, verändert sich auch das Ornament. Wenn es unbedacht passiert, ist das Muster gestört und die ganze Arbeit umsonst.

Muster

Die erstaunliche Regelmäßigkeit der Ornamente wird zum Einen durch den klar definierten Abstand von einer Linie zur nächsten erreicht und zum anderen durch eine streng eingehaltene Abfolge von Handgriffen, die durch Hebel und Schrauben den Verzug oder Versatz hervorbringen. Die Linien stehen stets entweder konzentrisch zum Mittelpunkt, senkrecht-parallel oder strahlenförmig zum Mittelpunkt eines Kreises zueinander. Freihand könnte man diese symmetrische Perfektion schwerlich gravieren.

Die Variationsbandbreite der Muster entsteht aus unterschiedlichen Einstellungen und Kombinationen von z.B. faden-wellen-oder zickzack-Linien, die wiederum durch entsprechende Einstellungen immer anders aussehen können. Eine unendliche Spielwiese.

Geschichtliche Einordnung:

Die Rundzug-Guillochiermaschine ist eine technische Errungenschaft des 17. Jahrhunderts, die aus einer Kunstdrechselbank für hölzerne Tischdekorationen entwickelt wurde. Das heißt, dass zuerst der Rundzug und etwas später dann der Geradzug das Licht der Welt erblickte. Der Geradzug basiert auf dem gleichen Prinzip wie der Rundzug.
Das Werkstück wird in einer Spannvorrichtung fixiert, die von einer Feder an die seitlich befindliche Patrone gedrückt und mittels einer Handkurbel in eine zusätzliche vertikale Abwärtsbewegung gebracht wird. An der Spannvorrichtung ist ein Patronentouch (Abtaststift) angebracht, der das Profil der Patrone abtastet und dadurch das Werkstück in eine schaukelnde Wellen- oder Zickzackbewegung versetzt. Die Bewegung hängt von dem jeweiligen Muster der Patrone ab.
Zeitgleich wird der auf einem Schlitten (Führungsschiene) laufende Stichel mit dem rechten Daumen an das Werkstück gedrückt. Durch das Drehen der Handkurbel mit der linken Hand wird das Werkstück an dem Stichel entlanggezogen. Wie beim Holzhobeln entsteht jedes Mal ein Span und etwas Material wird abgetragen. Die guillochierte Linie allerdings bekommt durch die zwei hochglanzpolierten Stichelfacetten eine besondere Lichtreflexion. Um die nächste Linie zu schneiden, wird der Stichel auf der x-Achse sozusagen ein Stück weiter versetzt (Transport). Der gleichbleibende Abstand zwischen den Linien und die konstante Eindringtiefe des Stichels in das Edelmetall sind entscheidend für ein regelmäßiges Bild ohne „Schatten“.

Das Aufkommen der Einwegfeuerzeuge, -Zigarettenschachteln und -Kugelschreiber in den 1980er Jahren beendete den Boom von guillochierten Produkten und die Technik überlebte nur knapp. Im hochpreisigen Schmuck- und Uhrensegment, sowie in zeitgenössischem Schmuck und Kleinserien feiert das Guilloche heute ein Revival.

Das Wort Guilloche gi[l]josch kann man französisch aussprechen, man kann es aber auch „Gillosch“ nennen, wenn man in Deutschland ist. Im Englischen nennt man die Technik „Engine turning“ oder „guilloché engraving“. So viel dazu.
Tipp:
Wenn man Schwierigkeiten hat sich den Namen zu merken, kann man an die Guillotine denken, auch wenn das wahrlich keine schöne Eselsbrücke ist.

Wir kennen das guillochierte Ornament heute von zeitgenössischem Schmuck und Kleinserien, von z.B Fabergé Eiern, von Omas Pillendöschen oder von den Zifferblättern teurer Uhren (u.a. Breguette).

Anfang des 19. Jahrhunderts kam ein weiteres Anwendungsgebiet hinzu: Die guillochierten Muster wurden verwendet, um Druckplatten für Wertpapiere fälschungssicher zu machen.

Soweit erst mal.